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Internationaler Commerzbank-Kammermusikpreis 2010

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Qualität siegt

Der erste Commerzbank Kammermusikpreis in Frankfurt

Gemessen an ihren Besucherzahlen, hat die Kammermusik heute einen schweren Stand, im Hinblick auf die Qualität der Ensembles aber ist es um sie besser bestellt als jemals zuvor. Dieser Eindruck bestätigte sich beim Preisträgerkonzert des ersten Internationalen Commerzbank Kammermusikpreises. Im Mozart-Saal der Alten Oper, die den Wettbewerb mit der Commerzbank un der Frankfurter Musikhochschule trug, spielten drei junge Klaviertrios auf denkbar hohem Niveau. Die Entscheidung der Jury, zu deren Mitgliedern neben anderen die Geigerin Julia Fischer, der Dirigent Yakov Kreizberg und der Cellist Daniel Müller-Schott zählten, war daher bestens nachvollziehbar: Es wurden zwei erste, mit 15 000 Euro dotierte Preise und ein zweiter Preis zu 6000 Euro vergeben, ein dritter aber nicht.

In dem Wettbewerb, der künftig alle zwei Jahre stattfinden soll und zum Auftakt in der Kategorie Klaviertrio ausgeschrieben war, hatten sich die Finalisten gegen 23 Ensembles aus elf Ländern durchsetzen müssten. Die Violinistin Anna Rachel Freitosa, der Cellist Claude Frochaux und die Pianistin Anca Lupu, erst seit November 2007 das „Trio Monte“, erhielten den zweiten Preis. Das Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101 von Johannes Brahms trugen sie ausdrucksvoll besonders im lyrisch Zarten vor. Vieles im ersten und vierten Satz hätte allerdings energischer, herber und kraftvoller umgesetzt werden können.

Vorausgegangen war für die Preisträger allerdings eine Tour de force. Die Endrunde des Wettbewerbs hatte unmittelbar zuvor ebenfalls im Mozart-Saal stattgefunden. Vineta Sareika (Violine), Christian-Pierre La Marca (Cello) und Amadine Savary (Klavier), die Mitglieder des mit einem der Preise ausgezeichneten „Dali Piano Trios“, gewannen Ravels einzigem Klaviertrio in exakt getroffenem Personalstil gleichwohl ungemein viel Valeurs ab. Der Frankfurter Cellist Leonard Elschenbroich hat sich mit dem Violinisten Alexander Sitkovetsky und der Pianistin Wu Qian zum ebennfalls preisgekrönten „Sitkovetsky Trio“ zusammengefunden. Gemeinsam brachten sie in Smetanas Klaviertrio g-Moll op. 15 die orchestralen Schübe glutvoll heraus, trafen aber auch die immer mitschwingende Trauer des Werk, das Smetana nach dem Tod seiner kleinen Tochter verfasste.

Guido Holze
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Kultur, September 2008

Wilde Jagd nach den Klängen

Die Sieger im internationel Wettbewerb der Commerzbank Stiftung gaben in der Frankfurter Alten Oper ihr Festkonzert.

Diesmal hatte die Stiftung die Konkurrenz für Klaviertrio ausgeschrieben. 26 Bewerbungen waren dazu eingegangen. Die drei Preisträger, zwei erste und ein zweiter Preis - was bei hochkarätiger Jury unter Vorsitz der Geigerin Julia Fischer schon einen Eindruck von der Qualität vermittelt - gaben ihr Vorzugskonzert. Die Geburtsländer der jungen Musiker reichen von Brasilien bis Shanghai: aber alle studieren gerne in Europa. Insofern ist die Globalisierung längst auch in diesen friedlichen Wettbewerb eingezogen.

Mann begann strategisch mit dem Gewinner des 2. Preises, dem „Trio Monte“ aus Frankfurt, das eigentlich in dieser Besetzung erst seit Ende 2007 besteht. Sie musizierten Brahms, das Klaviertrio Nr. 3 in c-Moll, voller Leidenschaft. Mut zu den Emotionswechseln, keck im Schwärmerischen der Instrumente untereinander (Violine und Cello) und mit Energie, die vom Klavier herkommt. Es spielen übrigens in allen drei Trio-Besetzungen die Frauen das Klavier. Das Cello pflegt hier einen besonders schönen Ton. Das „Dali-Piano-Trio“ aus Frankreich (ein erster Preis) hat einen feinen, vielgefragten Cellisten (Christian-Pierre La Marca), der für Ravels Klaviertrio in a-Moll (1914) noch einen subtileren Ton hervorbringt. Das Zusammenspiel erschien hier harmonischer in der übereinstimmenden Auffassung von dieser Musik, die ja sehr sanft sein kann und im nächsten Augenblick explodiert, die entzückend leicht sein kann und sich dann über skurrile Ansätze zu gewaltiger Energie hochschraubt. Massiv temperamentvoll die französische Pianistin.

Am Ende das „Sitkovetksy-Trio“ aus England, genannt nach seinem Moskauer Geiger. Diese drei waren die Besten; man hätte ihnen durchaus allein den ersten Preis geben können. Die Musik hatten sich das Smetana-Trio op. 15 vorgenommen, was natürlich auch ein bisschen ein Ohrwurm an Gefälligkeit ist. Aber sie haben es, bei sehr sonor singenden Instrumenten, drastisch energisch gespielt, mit innewohnender Wucht. Un der Schlusssatz mit einer Klangjagd der wilden Repetitionen, den raketenhaften Klaiverskalen, vollendete den Elan. (GN)

Frankfurter Neue Presse, Kultur, 17. September 2008

 

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